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Auch bei schlechtem Wetter ein toller Ausblick auf den Harz

Am Schäferstuhl – Erinnerungen an meine Jugendzeit

An den Oster Tagen war ich bei meiner Mutter zu Besuch, in Salzgitter Bad wo ich aufgewachsen bin. Früh am Oster Sonntag bin ich zu ihr gefahren und wie immer habe ich von unterwegs aus angerufen und ihr gesagt das ich unterwegs bin. Sie brüht dann immer einen frischen Kaffee auf und ein Stück selbstgebackenen Kuchen gibt es dann auch. Als wir so im Wohnzimmer saßen und ich ihr erzählte was ich alles so gemacht habe in der vergangenen Woche kam mir eine Idee. Ach du hast ja heute noch jede Menge Zeit dachte ich bei mir, erkunde doch einfach mal den Ort mit dem Auto und schau was sich so alles verändert hat in den Jahren. Gelandet bin ich dann schließlich am Schäferstuhl.

Auch bei schlechtem Wetter ein toller Ausblick auf den Harz
Auch bei schlechtem Wetter ein toller Ausblick auf den Harz

Der Schäferstuhl liegt auf einer Anhöhe oberhalb von Salzgitter Bad. Von hier aus hat man einen herrlichen Blick auf das Harz Vorland. Schon beim durchqueren des Ortsteils Gitter kamen die Gedanken an früher wieder und die waren irgendwie auch spannend. Das hier oben am Segelflugplatz, mit dem tiefen Wald auf der Anhöhe hatte für mich so etwas Sagen umwobenes. Ich fuhr um den Hangar herum zu dem dahinter gelegenen Parkplatz, na gut, ein richtiger Parkplatz war das nicht. Ein Stückchen Wiese, hinter einem Zaun standen zwei verwitterte Wohnwagen Der Ort wurde seinem Ruf gerecht. Es war menschenleer hier am Sonntagmittag, das Wetter war schlecht, der Wind fegte über die Landebahn und wirbelte Staubwolken auf. Beim aussteigen bekam ich einen ordentlichen Schrecken, warum war das hier so laut? Das Geräusch kannte ich, jedenfalls war es so ähnlich. Verwundert sah ich mich um, suchend nach einem Wasserfall oder etwas Vergleichbaren. Es war so laut wie am Meer, wenn der Sturm die Brandung an die Küste peitscht, so stark wehte der Wind durch den Wald hier oben. Im Auto bekommt man das ja gar nicht so mit.

Erinnerungen an meine Jugendzeit - der Flugplatz am Schäferstuhl
Erinnerungen an meine Jugendzeit – der Flugplatz am Schäferstuhl

Ich ging durch ein kleines verrostetes Tor auf den Flugplatz, rechts war die Start- und Landebahn und nach links raus konnte man ins Tal sehen und hatte einen richtig tollen Ausblick auf den Harz. Bei schönem Wetter. Heute war es ziemlich Wolken verhangen. Der Wind pfiff eiskalt durch meine dünne Jacke, das war nicht die richtige Bekleidung für so einen Ort. Die grüne Bank fiel mir sofort auf, das gibt ein tolles Panorama Foto dachte ich mir und suchte mir die passende Position. Richtig einsam war es hier oben, aber auch irgendwie schön. Auf dem Rückweg zum Auto fiel mir ein Buch ein, das ich als jugendlicher mal gelesen hatte. „Geheimnis um zwei Segelkisten“ hieß es und handelte von einem Jungen der seine Ferien auf einem Segelflugplatz verbrachte. Es gehörte wohl irgendjemandem aus unserer Familie, es war noch in altdeutscher Schrift geschrieben, so alt war das schon. Das war ein richtig tolles Abenteuer Buch. Ich konnte mich da so richtig rein versetzen, ich glaube ich habe es sogar zweimal gelesen.

Schnell zurück ins warme Auto. Bei der Fahrt vom Parkplatz fährt man auf ein großes altes Gebäude zu. Früher war das ein Heim für schwer erziehbare Kinder. Es ist eine kirchliche Einrichtung steht auf dem großen Schild, alles eingezäunt mit einem großen Metalltor verschlossen. Das sieht noch genauso aus wie früher, so ordentlich, so aufgeräumt. Das wirkt auf mich eher beängstigend, der große Briefkasten vorn am Eisernen Tor, damit bloß keiner rein kommt, ein Briefkasten ist doch eigentlich immer an der Haustür. Ich stelle mir vor wie hier Zucht und Ordnung durchgesetzt, gelehrt werden. So wie früher zu der Zeit als mein Abenteuer Buch geschrieben wurde. Ein bisschen graust es mich davor. Ich kannte mal zwei Jungs die hier gelebt haben, zwei Brüder. Die hatten einen schweren Stand im Ort, wenn jemand erfuhr wo sie her kamen, jedenfalls bei den Erwachsenen. Bei uns Jugendlichen sah man das dann doch etwas lockerer. War jemand in Ordnung wurde er aufgenommen und man feierte auch zusammen, traf sich in der Disco. Jost hieß die damals und die beiden waren auch dabei. Ich habe damals nicht verstanden warum die in so einem Heim leben mussten.

Ordentlich wie immer - aber auch irgendwie unheimlich. schon früher hat man hier niemanden gesehen.
Ordentlich wie immer – aber auch irgendwie unheimlich. Schon früher hat man hier niemanden gesehen.

Ich bog nach links ab zurück in Richtung Gitter. Rechts herum geht es in den Wald, dort liegen noch die Reste einer alten Fliegerschule aus dem zweiten Weltkrieg. Wenn man nicht genau weiß wo es ist, läuft man daran vorbei, so versteckt und zugewachsen ist das Gelände. Überall Schilder auf denen Betreten verboten stand, das war natürlich für uns Jungs besonders interessant. Da haben wir uns mal zu dritt bei einer Schnitzeljagd versteckt, keiner hat uns gefunden, wir kannten uns hier gut aus, das war unser Revier. Nur unsere Eltern durften das damals nicht wissen.

Blick vom Schäferstuhl nach Salzgitter Bad
Blick vom Schäferstuhl nach Salzgitter Bad

Bei der Rückfahrt am Hangar vorbei erinnerte ich mich dass wir hier auch ein paar ganz tolle Partys gefeiert haben. Hier oben konnten wir so laut Musik machen wie wir wollten und vor allem so lange feiern wie wir wollten. Meistens schon am hellen Tag haben wir dann zu Fuß den Rückweg in den Ort angetreten. Leicht angesäuselt mit der Freundin im Arm, erst mal nach Hause und ein bisschen schlafen.

Ja das war eine gute Idee hier oben mal wieder vorbei zu schauen. Ein Dankeschön an meine Schwester, der Eierlikör Kuchen vorhin bei Mutti war super lecker.

von Solariummann

Die alte Dame auf der Allee

Gedanken – Freunde – mein bester Schulfreund

Jeder hat bestimmt einen guten Freund, sollte man zumindest meinen. Eine Freundschaft ist immer ein Geben und Nehmen. Wie viel eine Freundschaft Wert ist zeigt sich meist erst dann, wenn man den guten Freund braucht. Leider hat man im Leben auch falsche Freunde, da bleibe auch ich nicht von verschont. Die nehmen dann nur und es dauert lange bis man es merkt, vielleicht will man es manchmal auch nur nicht wahr haben. Letztlich ist es ein kommen und gehen im Laufe des Lebens, oft mit herben Enttäuschungen. Freunde fürs Leben – gibt es die?

Das Titelbild mit der alten Dame auf der Allee, die einsam auf ihrem Rollator in der Sonne sitzt habe ich bewusst gewählt. Ich habe es gestern fotografiert, beim spazieren gehen mit meinen Hunden. Ich sehe sie des Öfteren und ich habe mich gefragt ob sie niemanden hat, keinen Mann, keine Freundin mit der sie ihre Runde drehen kann. Wie ist das eigentlich mit der Freundschaft? Der Beste Freund eines Mannes ist meistens eine Frau, sagt man. Das ist zumindest bei mir so, vielleicht sind es ja sogar zwei. In Bezug auf Freundschaft habe ich vor kurzem ein riesen Kompliment bekommen. Eine Freundin die ich durch eine gemeinsame Freundin in den sozialen Medien kennengelernt habe, früher hätte man wohl Brieffreundin gesagt, schrieb mir folgendes:

„Also eines muss ich jetzt mal los werden, also dich als Freund an der Seite zu haben ist ein wertvolles Geschenk, das habe ich gemerkt. Wir kennen uns zwar nicht so gut, aber du bist ein besonderer Mensch…leider wissen das manche Menschen nicht zu schätzen.“

Naja, vielleicht ist es ein bisschen Übertrieben. Ich bin ja kein Übermensch, aber sehr gefreut darüber habe ich mich schon. Ich denke ich sollte lieber Bescheiden bleiben und mich selbst nicht so wichtig nehmen. Zum Thema beste Freunde fällt mir ein alter Schulfreund ein, Christian hieß er. Wir waren sehr gute Freunde während unserer Schulzeit. Dicke Kumpels, die schon als Kinder zusammen gespielt haben und aus ähnlichen Familienverhältnissen kamen, die gleichen Schwierigkeiten hatten. Uns fehlte der Vater und wir hatten ihn beide aus ähnlichen Gründen verloren. Er hatte noch drei Geschwister, alle waren so zwei, drei Jahre auseinander. Ich war ein Nachzügler, ein Nachkömmling wie meine Mutter zu sagen pflegt, Altersunterschied 15 Jahre zu meinen Schwestern.

Christian war mir oft einen kleinen Schritt voraus. Er war selbstständiger, was vielleicht mit seinen Geschwistern zusammen hängt, vielleicht auch ein bisschen Charakterfester. Ich erinnere mich gut an eine Klassenfahrt. Da passierte das was sicherlich viele kennen, wir hatten beide entdeckt das Mädels ja auch ganz interessant sind. Gut das wussten wir auch schon vorher, aber da hatten wir uns beide zum ersten Mal so richtig verknallt, in zwei Mädels die gute Freundinnen waren. Meine hieß Gabi, das weiß ich noch ganz genau. Mein erster richtiger Kuss, den werde ich wohl mein ganzes Leben lang nicht vergessen, am Ende einer Mauer einer alten Kirchenruine. Wir vier waren dann eine ganze Zeit eine verschworene Gemeinschaft. Irgendwann kam dann die Trennung von den Mädels, eigenartiger Weise fast gleichzeitig, obwohl wir vorher nie darüber gesprochen hatten.

Bis zum Ende der Schulzeit waren wir in einer Klasse. Wir unternahmen sehr viel zusammen, ich hatte wieder eine Freundin und mit einer Clique von anderen Schulkameraden feierten wir so manche Party. Einmal, als meine Mutter verreist war, feierten wir bei mir zu Hause. Natürlich gab es nicht nur Brause und Saft. Wir hatten das große Wohnzimmer ein bisschen zu einem Party Raum umgestaltet, den Plattenspieler aufgestellt und jede Menge Kerzen. Später am Abend ging es dann los mit dem Tanzen, eines der Mädels wollte unbedingt mit ihm tanzen, doch er wollte nicht. Sie versuchte ihn mit allen Mitteln dazu zu bewegen, zerrte an ihm rum und irgendwann war es dann passiert. Sie stolperten beide und landeten auf dem Wohnzimmer Tisch. Alles kippte um und flog durch die Gegend, auch die brennenden Kerzen. Eine davon landete auf dem Sofa, geistesgegenwärtig kippte jemand etwas darüber, leider war es ein Glas Cola. Meine Freundin und ich haben Tage gebraucht um das alles wieder sauber zu machen, meine Mutter sollte ja schließlich nichts merken.

Nach Ende von Schulzeit und Lehre haben wir uns dann aus den Augen verloren. Das lag sicherlich auch daran das ich in eine andere Stadt gezogen bin. Als ich später mal wieder in meiner Heimatstadt Salzgitter war habe ich von Freunden gehört das er geheiratet hat und jetzt in einem der kleineren Orte wohnt. Vor einiger Zeit habe ich einen seiner Brüder getroffen. Die Freude war bei uns beiden sehr groß, wir waren schon alle sehr gut befreundet – damals. Ich sagte ihm dass er ihn mal grüßen solle von mir, darüber würde er sich bestimmt sehr freuen entgegnete er. Es geht ihm gut, das weiß ich nun und ich weiß auch dass wir noch immer gute Freunde sind. Vielleicht sollte ich ihn mal anrufen. Er könnte mich ja auch anrufen, aber nein, die Zeit ist vielleicht noch nicht reif.

So sind wir halt – eines weiß ich aber bestimmt – wir sind immer noch richtig gute Freunde.

von Solariummann

 

 

Wie immer habe ich zu Ostern etwas leckeres bekommen.

Gedanken-Meine Gedanken zu Ostern

An was denkt man eigentlich zu Ostern? Nein, ich meine jetzt nicht das man wissen sollte warum wir das Osterfest feiern. Was denken Menschen an diesen Tagen? Man hat ja ein bisschen Zeit in sich zu gehen. Hier sind meine Gedanken am heutigen Oster Sonntag. Die Idee sie einmal auf zu schreiben hatte ich heute Mittag, als ich auf der Rückfahrt von einem Besuch bei meiner Mutter war.

Mein Leben verläuft ziemlich hektisch, irgendwie ist immer Action, es gibt nur wenige Momente in denen ich zur Ruhe komme. Auf der einen Seite liebe ich das auch, die Arbeit im Sonnenstudio, soziales Engagement, chatten mit guten Freunden. Irgendwie ist aber auch nie Ruhe. Zuhause klingelt das Telefon, per Mail kommen Anfragen und Bestellungen und eigentlich hatte ich mir ja vorgenommen mich an meinen freien Tagen mit alten Freunden zu treffen, in Ruhe meine Mutter zu besuchen, die Zeit will gut genutzt sein. Gerade bei der Zeiteinteilung entsteht dann schon wieder Druck. Kann ich jedem gerecht werden, ich möchte ja auch keinen Benachteiligen, es allen Recht machen. Na, kommt Ihnen das zumindest Teilweise bekannt vor? Am Gründonnerstag, beim Oster Einkauf, hat ja schon alles in ziemlich überfüllten Geschäften angefangen. Das ist dann wohl der berühmte Feiertags Stress. Einfach in den Oster Urlaub fahren wäre eine Option. Ach nein, das ist ja schon wieder Stress. Die Idee haben viele tausende andere auch. Stau am Oster Wochenende, überfüllte Urlaubsorte, überfüllte Restaurants, nein das tue ich mir nicht an.

Also zurück zu meinen Gedanken. Es ist Oster Sonntag und ich bin wie immer früh aufgestanden und habe ein wenig Sport gemacht. Im Anschluss habe ich die Ostergrüße für die Geschäfte über die verschiedenen social Media Kanäle eingestellt, schon wieder gearbeitet. Jetzt ist aber Schluss damit, denke ich auf der Fahrt zu meiner Mutter. Im Auto kann ich sehr gut Denken, manchmal auch Träumen, hier bin ich allein, hier komme ich zur Ruhe. Wie immer wähle ich so eine knappe viertel Stunde bevor ich da bin ihre Nummer, sie kocht dann einen frischen Kaffee, sie geht nicht ran. Sofort sind sie wieder da, meine Gedanken, Angst überkommt mich, hoffentlich ist nichts passiert. Meine Mutter ist schon sehr alt, über Neunzig Jahre und sie ist immer noch geistig absolut fit. Ich habe ein sehr gutes Verhältnis zu meiner Mutter, wir unterhalten uns viel wenn ich da bin, auch über aktuelle Themen, sie ist immer etwas schwermütig, das nimmt mich manchmal ganz schön mit. Ich lese ihr auch des Öfteren etwas vor, von meinen Geschichten, in denen es manchmal auch um sie geht und um meine Kindheit. Ich packe da meist auch ein kleines Dankeschön an sie mit hinein, sie hat viel geschafft in ihrem Leben. Ich habe ihr viel zu verdanken, das ist meine Art Danke zu sagen, Sie sagt nichts, aber ich merke das es sie freut.

Was ist wenn jetzt doch etwas passiert ist, wenn ich die Wohnungstür aufschließe, hinein gehe und sie nicht mehr am Leben ist? Was machst Du dann eigentlich frage ich mich? Ich wähle noch einmal ihre Nummer, Gott sei Dank, sie meldet sich. Fröhlich, als ob nichts gewesen wäre, sage ich ihr dass ich in einer Viertelstunde da bin. Bei der Einfahrt in den Ort muss ich an früher denken, hier oben in der Siedlung wohnt ein alter Freund und Sport Kammerrat. Bei dem im Partykeller haben wir am Ende der Saison immer unsere Mannschaftskasse auf den Kopf gehauen. Hoho und ganz schön was getrunken haben wir dann auch immer, lustig wars. Vor der Toilette standen zwei große Gänse aus Keramik die eine Art Frack anhatten, die fand ich immer witzig, ob er die noch hat?

ein starkes Team, Ronja und Margot
ein starkes Team, Ronja und Margot

Beim abbiegen in die Straße in der mein Elternhaus steht, werden meine beiden Dackel Damen unruhig. Die wissen genau wo wir jetzt sind, obwohl sie nicht aus dem Fenster geschaut haben, die beiden Schlawiner. Gleich gibt es ein leckeres Stück Pansen. Schon kurz nach dem Anhalten in der Einfahrt geht das Gedrängel los, jeder will als erster aus dem Auto, hinein laufen und sich das beste Stück sichern. Meine Mutter hat gerade den Kaffee fertig, klassisch aufgebrüht, nicht aus der Maschine, auf dem Tisch steht ein Teller mit einem großen Stück Frankfurter Kranz. „Den isst du doch so gern Junge“. Ja ich bin immer noch der Junge, ihr Junge, auf den sie mächtig stolz ist. Hab ich das verdient, ich habe auch so manchen Bock geschossen, in meinem Leben. Ob ich wieder eine Geschichte geschrieben habe fragt sie mich und erzählt in einem Schwall weiter dass meine Tante Frieda mit ihrem Mann vor kurzem ihre Diamantene Hochzeit gefeiert hat. Ihr Mann wäre wohl ganz schön Schwerhörig hätte meine Schwester erzählt. Die hätte die beiden vor einiger Zeit gesehen und er hätte laut etwas über die Straße geprahlt, prahlen ist der Ausdruck meiner Mutter für schreien, oder lautes Sprechen. Klar, der muss wohl ziemlich schwerhörig sein wenn er so rumprahlt schmunzelte ich in mich hinein.

Frieda ist die jüngste Schwester meiner Mutter, unsere Familien sind seit Jahrzehnten zerstritten. Sich gegenseitig verzeihen, vergeben, nein das kommt für die beiden Schwestern wohl nicht in Frage. Warum eigentlich nicht, ich erinnere mich an meine Kindheit zurück und an den Vorfall der dazu führte. Jetzt weiß ich auch woher ich meine Sturheit habe. Ich greife das Thema auf und erzähle von den schönen Kindertagen die ich bei meiner Tante, ihrem Mann und den Kindern verbracht habe. Sie hatte immer tolle Spiele für uns auf Lager und hat mir auch so manches beigebracht. Meine Mutter hört wortlos zu, über ihren Schatten springen kann sie wohl doch nicht, das werde auch ich nicht ändern können. Schade eigentlich.

Auf dem Rückweg läuft im Radio eine Talkshow, ein bekannter Schauspieler erzählt unterbrochen von einigen Musik Titeln über sein Leben. Über eine Zeit in der er sich mal treiben lassen hat, Aussteiger Abenteuer in Süd Amerika. Immer den leichten Weg gehen, nichts Verpflichtendes tun. So etwas Ähnliches habe ich auch schon gemacht, nicht in Amerika, eher unfreiwillig, antriebslos, nach einem schweren Schicksalsschlag. Er erzählt das er sich darüber ärgerte das ihm die Lust am Bücher lesen vergangen war. Das hätte ihn wach gerüttelt, Bücher vermitteln auch Werte im Leben. Dazu fällt mir spontan ein, dass ich schon lange kein Buch mehr gelesen habe. Nein ich werde jetzt nicht unbedingt mit dem Lesen anfangen, es gibt nur wenig was mich da interessiert. Die richtigen Geschichten schreibt das Leben und die, die mir passieren schreibe ich auf. Die Gedanken fliegen lassen, über schöne und auch nicht so schöne Dinge nachdenken. Rastlos und wissbegierig alles aufnehmen, auch viel Träumen und mir in meiner Phantasie viel schöne Dinge ausmahlen. Manchmal werden Träume ja auch wahr. Tania Blixen soll einmal gesagt haben, dass der unwiderstehlichste Mensch auf Erden derjenige sei, dessen Träume wahr geworden sind.

kleine Leckereien zu Ostern von meiner Mutter.
kleine Leckereien zu Ostern von meiner Mutter.

Jetzt sitze ich hier an meinem großen Schreibtisch, die Abend Sonne scheint durchs Fenster und ich freue mich, es war ein schöner Oster Sonntag. Ich freue mich darüber dass ich endlich wieder etwas geschrieben habe. Irgendwie hat das Ganze ja doch etwas mit Ostern zu tun, vor allem wenn ich an das Wort Vergebung denke. Oh nein, ich bin nicht besonders religiös, noch nicht einmal ein „U-Boot Christ“. Wie der Pastor unserer Gemeinde einst, zu Zeiten meiner Konfirmation die Menschen bezeichnete, die nur zu Ostern und Weihnachten in der Kirche auftauchen. Ich hatte vor einiger Zeit den Satz „Was Du nicht willst das man dir tu, das füg auch keinem anderen zu“ auf meiner Facebook Seite zitiert. Darüber habe ich während meiner Schulzeit mal einen Aufsatz schreiben müssen. Was mir damals nicht so bewusst war, ist die Tatsache dass es sich bei dieser Aussage um eine der goldenen Regeln der Menschheit handelt. Die ist übrigens in allen Weltreligionen verankert. Vielleicht sollte man darüber mal wieder etwas mehr nachdenken. Doch da sind wir auch schon wieder am Anfang der Geschichte, in der Hektik des Alltags bleibt so vieles auf der Strecke.

Frohe Ostern

von Solariummann

Geschichten aus meiner Kindheit - Klingelstreiche

Der Tarzan Schrei – eine Geschichte aus meiner Kindheit

Ich weiß nicht wie ich darauf gekommen bin, auf dem Weg ins Sonnenstudio ist mir letztens etwas aus meiner Kindheit eingefallen. Als Kinder haben wir immer im Innenhof und in dem großen Obstgarten meines Elternhauses gespielt. Irgendwie musste ich dann über mich selbst lachen, das Kind steckt immer noch in mir.

Doch nun von Anfang an. Ich habe als Kind unheimlich gern gelesen. In meiner sehr bildhaften Phantasie habe ich Geschichten immer als eine Art Film vor mir gehabt, was sich auch in der Schule in meinen Aufsätzen wieder spiegelte. Ich konnte das, was ich vor meinem geistigen Auge sah, so lebendig beschreiben das Leser dieses Bild dann auch vor Augen hatten. Das funktioniert wohl auch heute noch, denn dafür habe ich gerade letztens wieder ein Lob von einer guten Freundin bekommen. Das ist mir sehr viel Wert in meinem Leben.

Auslöser der Geschichte ist, das ich mich daran erinnerte im Alter von vielleicht 10 Jahren mein erstes Tarzan Buch gelesen zu haben. Das hat mich sehr fasziniert und ich erlebte das gelesene in meiner Phantasie beim herumturnen in den großen Bäumen unseres Gartens so, als ob ich in diesem Urwald wäre. Zu dieser Zeit liefen im Fernsehen auch die alten schwarzweiß Verfilmungen des Romans. Im Film und so stand es auch in den Büchern, stieß Tarzan immer einen markerschütternden Schrei, den Schrei der Menschenaffen die ihn groß gezogen hatten aus. Endlich hatte ich einen Ton zu meinen Vorstellungen.

Wir waren drei Jungs im gleichen Alter und spielten immer Fußball im Innenhof und wenn wir manchmal lieber im Garten herumkletterten übten wir diesen Schrei, den Tarzan Schrei. Wir hatten natürlich die Bücher gelesen und die Filme gesehen. OOOHUUHAAAHOOOHUHUHAA, man muss es gehört haben um sich das überhaupt vorstellen zu können. Auf jeden Fall musste man ganz tief Luft holen um das überhaupt in voller Länge machen zu können. Der Clou war, das man zum Ende hin, den Kehlkopf quasi überspringen lassen musste, ähnlich wie beim jodeln. Wer das von uns dreien am besten konnte sei dahin gestellt, aber wir kamen dem Original aus dem Fernsehen schon ziemlich nah.

Nun war es so das meine Mutter im Haus einen kleinen Laden betrieb. Immer wenn man die Tür öffnete klingelte es im Wohnzimmer, so konnte meine Mutter auch andere Dinge erledigen und das Geschäft verlassen. Wenn jemand aus der Familie ins Geschäft kam rief er laut “Ich bins”, so musste meine Mutter nicht extra aufstehen und in den Laden gehen. Der Weg durch das Geschäft war für uns alle sehr bequem, keiner brauchte einen Schlüssel mit nehmen, weil der Laden den ganzen Tag geöffnet war.

Wir hatten mal wieder im Garten herum getobt und meine Mutter hatte aus dem Fenster heraus zum Essen gerufen. Meine beiden Freunde gingen nach Hause und ich rannte um die große Hecke herum zum Geschäft. Beim öffnen der Ladentür stieß ich diesen markerschütternden Schrei , den Tarzan Schrei aus. Meine Mutter sollte ja schließlich wissen wer da herein kommt. Was ich nicht bemerkt hatte war, das hinter mir eine Kundin um die Ecke kam, die in das Geschäft wollte. Die stieß nun ebenfalls einen Schrei aus, allerdings vor Schreck. Sie schaute mich mit großen Augen an, so als wäre ich geisteskrank und fragte ob ich das war. Ich glaube ich habe nicht geantwortet und bin einfach hinein gelaufen. Diesen film reifen Gesichtsausdruck sehe ich noch heute vor mir, na ja und ein bisschen unangenehm war mir das wohl auch.

Nun sitze ich also allein in meinem Auto, auf dem Weg ins Studio und denke an diese Geschichte. Keiner hört zu. Dreimal dürft ihr raten was ich gemacht habe. Das Ergebnis war so kläglich. Ich habe mich lachend im Spiegel angesehen, ich schüttelte den Kopf und dachte mir: “Du bist doch so ein kindischer Idiot, Du wirst es nie lernen”

Ganz ehrlich – will ich auch gar nicht.

von Solariummann

Heiße Apfeltaschen - eine Kindergeschichte

Heiße Apfeltaschen – eine Geschichte aus meiner Kindheit

Geschichte aus meiner Kinheit
Geschichte aus meiner Kindheit

Es war einer jener Tage im Herbst an dem der Frühnebel einfach nicht weichen wollte. Ich war noch ein kleiner Junge, vielleicht gerade einmal 8 oder 9 Jahre alt. Meine Eltern hatten ein Haus mit einem Innenhof und einem großen Garten. Jede Menge Obstbäume eine lange Reihe mit Himbeersträuchern an deren Ende ein Mirabellenbaum stand, die habe ich damals unheimlich gern gegessen. Mein Lieblingsbaum war aber ein großer Kirschbaum der sich gleich am Anfang des Gartens befand. Hier konnte man herrlich klettern und oben aus der Krone hatte man einen tollen Überblick auf den ganzen Garten. Dieser Baum war mein Freund, wenn ich alleine sein wollte bot er mir mit seinen vielen verzweigten Ästen und  dichten Blättern Schutz, ich konnte mich prima verstecken ohne das mich jemand bemerkte.

Jemand, das war vor allem mein Schwager, der mit meiner Schwester und den beiden Kindern in der anderen Haushälfte wohnte. Er meinte immer immer ich würde zu viele Zweige abbrechen und hatte wohl Angst das die Ernte zu mager ausfallen würde. Vielleicht war er aber auch nur neidisch, weil er so dick war das er nicht in den Baum klettern konnte. Wir haben es allerdings nie geschafft alle Kirschen dieses riesigen Baumes aufzuessen. Ich war ein Nachzügler, ein Nachkömmling wie meine Mutter immer zu sagten pflegte. Meine Schwester ist gut 15 Jahre älter als ich und als einziger männlicher Nachkomme genoss ich gewisse Privilegien, oder schlichtweg ich wurde verwöhnt.

Es war die Zeit der Apfelernte, im Garten standen auch zahlreiche Apfelbäume. Meine Mutter betrieb in unserem Haus ein kleines Einzelhandelsgeschäft, eine Tante Emma Laden wie man so schön sagt. Mein Vater war aufgrund seiner Kriegsverletzungen Frührentner. An jenem Samstag Morgen ging es also los, mein Schwager meine Schwester und wir Kinder machten uns an die Apfelernte. mit vielen großen Eimern und kleinen Holzkisten die wir gesammelt hatten. Es war noch ziemlich kalt, der Tau auf dem Gras und an den Blättern der Bäume wollte nicht weichen, ich wäre gern in der warmen Stube geblieben. Eimerweise schleppen wir alles in den Keller, dort wurde sortiert. Ein Teil der Äpfel war für den Verkauf im Laden bestimmt, ein anderer Teil sollte eingekocht werden, die schönsten Äpfel aber, wurden mit altem Zeitungspapier umwickelt und sorgfältig in die Kisten gelegt, die dann übereinander gestapelt wurden und als frischer Vorrat über den Winter dienten.

Irgendwann um die Mittagszeit war es dann endlich geschafft, meine Mutter hatte seit früh um halb sieben im Laden gestanden, trotzdem hatte sie es geschafft nebenbei ein leckeres Mittagessen zu kochen. Von der Küche aus konnte man durch einen kleinen Lagerraum in das Geschäft gehen, immer wenn ein Kunde die Tür aufmachte bimmelte eine kleine Klingel im Wohnzimmer. Nach dem Mittagessen begaben sich dann alle zum Mittagsschlaf.

Irgendwann am späten Nachmittag wurde dann gebadet, der Holzofen mit dem großen Kupferkessel oben drauf wurde ordentlich angeheizt, wohlig warm war es. Draußen war es  neblig trüb und die feuchte Kälte konnte man durch die beschlagenen Scheiben förmlich spüren. Nach dem Bad ging ich zu meiner Mutter in die Küche, dort duftete es herrlich und jetzt begann einer der schönsten Momente in meiner Kindheit. Ich ging in unseren kleinen Laden, der auch Zeitungen und Zeitschriften führte. Dort  stand nämlich das neuste Micky Mouse Taschenbuch im Regal. Das schnappte ich mir, rannte durch die Küche ins Wohnzimmer, schmiss mich in den großen Sessel und wickelte mich in eine warme Decke ein. Nach ein paar Minuten fragte meine Mutter ob ich eine heiße Apfeltasche, die sie gerade frisch aus Ofen geholt hatte, haben wolle. Natürlich wollte ich eine, was für eine Frage. Kauend verkrümelte ich mich wieder in meinen Sessel und versank mit der Welt in meinem Micky Maus Buch. Ich glaube ich war in diesem Moment das glücklichste Kind auf der ganzen Welt.

Diesen Tag und besonders diesen Nachmittag habe ich mein ganzes Leben lang nicht vergessen. Immer wenn so wie jetzt im Oktober die ersten Frühnebel Schwaden die Landschaft überziehen denke ich daran. Meine Mutter hat es trotz aller Arbeit und Sorgen immer geschafft mir und uns allen diesen schönen Momente zu bescheren. Momente der Zufriedenheit und Geborgenheit, ein schönes Zuhause das ich in einer immer hektischeren Welt oft vermisse. Mittlerweile ist sie über 90 Jahre alt und immer wenn ich sie besuche schafft sie es noch mir eine kleine Freude zu bereiten und mir dieses Gefühl zu vermitteln. Hier bin ich zu Hause.

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